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Die Heyder

Aus:
Beyträge zur Nördlingischen Geschlechtshistorie die Nördlingischen Familien und Epitaphien enthaltend gesammelt und mit historischen Anmerkungen erläutert von D. Daniel Eberhard Beyschlag, Rektor des Gymnasiums zu St. Anna in Augsburg, fortgesetzt von Johannes Müller, Maler allhier.
Nördlingen, 1803 bey Karl Gottlob Becks seel. Wittwe.

1. Teil: Seite 285-289

II. Epitaphien an der Herrenporkirche durchaus aus lauter Wappenschilden bestehend.

Heyderischer Wappenschild von Schnitzwerk.

Dieser Wappenschild enthält das ältere Heyderische Wappen, um welches die Inschrift zwischen einer gedoppelten Einfassung herumläuft. Unten hängt der sehr gut auf Kupfer gemahlte Kopf des Herrn Burgermeisters Kaspar Heiders.

Das Heyderische Wappen hat einen goldenen Schild, und darinnen einen zum Streit geschickten aufrecht stehenden nackten Mohren, der sich nach der Linken zukehrt. Um das Haupt hat er einen weißen Bund mit zurückfliegenden Enden, um die Hüften einen von Roth und Blau geflammten Federschurz und um den rechten Arm vier goldene Ringe. In der linken Hand hält er einen sogenannten Tartschenschild in der rechten aber einen zum Wurf bereiten Flitschenpfeil mit weißem und rothem Gefieder. Ueber dem Stechhelm, der zu beiden Seiten mit einer schwarzen und goldenen Helmdecke geziert ist, wächst der Mann des Schildes, wie er oben beschrieben worden, hervor.

Dieses Wappen ertheilte der Kaiserliche Geheimrath und Viecekanzler Johann Ulrich Zafins, 1566 den 24. May zu Augsburg, also ein Jahr nach seinem unglücklichen Sprung aus der Kutsche, deren Pferde scheu geworden, dem nachmaligen hiesigen Burgermeister, Georg Heyder, dem Vater des Burgermeisters Kaspar Heyders, von welchem bey seinem Epitaph noch mehr soll gesagt werden. Die noch lebenden Heyder, die von ihren Vorfahren eine vom hiesigen Magistrat unter dem 14. März 1628 vidmierte Abschrift des Wappenbriefes ererbt hatten, ließen sich den 26. März 1799 durch den Mainzischen Herrn Geheimrath Zapf zu Augsburg, als Kaiserlichen Hofpfalzgrafen, obiges Wappen für Johann Philipp Heyder, Zeug- und Sägeschmid allhier, erneuern. Bey Weigel findet man es Th. V. 237 abgebildet, und eben so in der Leichenpredigt und Parentation des berühmten Lindauischen Syndikus, Daniel Heyders, wo man aber statt des Stechhelmes einen offenen Helm und darüber eine Krone erblickt, aus welcher der oben beschriebene Mann hervorwächst. Letzteres dient zum Beweis, das die in den Adelstand erhobene Familie der Heyder von Lindau bereits in ihrem Stammvater ein vermehrtes Wappen erlangt hatte. Außer dem oben beschriebenen Wappen der für Lindau und Nördlingen ausgestorbenen Heyderischen Familie findet man noch ein anderes Heyderisches Wappen, das sich die Gebrüder Hans und Balthas Heyder, Lodweber allhier, für sich und ihren Bruder Thobias 1623 den 8. May von dem hiesigen Stadtammamm Kilian Reichart, als Kaiserlichen Pfalzgrafen ertheilen ließen, da vermuthlich die Burgermeister Heyderische Familie sie nicht für Wappengenossen erkennen wollte. unerachtet sie wahrscheinlich sich von einem gemeinschaftlichen Stammvater herschreiben. Dieses Wappen, das eigentlich das ausgestorbene Wappen der noch lebenden Heyder seyn sollte, hat einen blauen Schild und darinnen auf einem grünem Dreyberge, einen Heidnischen, wenigbärtigen Mann, mit einem rauen Spitzhut, um welchen ein runder Pausch mit herabhängender Binde herumliegt, in einem rothen, nicht bis ans Knie reichenden, unten ausgespitzen und oben mit einem silbernen Kragen versehenen Leibröcklein, um welches eine blaue Binde herum läuft. Die Arme sind zur Hälfte, die Füße, woran allein unten Solen angeschnürt sind, ganz blos. In der rechten ausgesteckten Hand hält er einen roth und weiß gefiederten Pfeil, und in der linken an Leib angedruckten einen goldenen Pfitschenbogen, auf dem Rücken aber hat er einen mit Pfeilen angefüllten goldenen Köcher. Ueber dem mit einer blau und goldenen Helmdecke gezierten Stechhelme wächst der Mann des Schildes hervor. Der Maler des Wappens ist der oben Seite 283 angeführte Friedrich Metzger.

Die um das Wappen herumlaufende Inschrift ist folgende:

Ano 1629 den 21. Aprils Starb der Ehrenvöste Fürsichtige und Wolweise Herr Caspar Heyder 23 Jahr gewesster Burgermaister Allhie. Seines Alters 75 Jahr. Gott verleihe ihm eine Fröhliche Aufferstehung.

Herr Burgermeister Caspar Heyder war ein Sohn des unter Nro. 15 mit seinen Vorfahren und Nachkommen weiters anzuführenden Herrn Bmstr. Georg Heyders. Er war 1544 gebohren, und erlernte die Apothekerey, worinnen er sich auf Reisen noch mehr zu perfectionieren suchte. Im Jahr 1578 dem 28. Nov. verheurathete er sich zum ersten Mahl mit Anna Königin, die 1624 den 24. Aug. in ihrem 76. Jahre gestorben und den 26. Aug. feyerlich begraben worden. Nach überstandener Trauerzeit heuratete er 1625 den 23. May die Wittwe des den 12. Sept. 1623 begrabenen hiesigen Stadtphysikus D. Hieronimus Meißners, Barbara, die vermuthlich eine Tochter des Pfarrers zu Schweindorf, Hieronimus Melsches gewesen, und 1637 den 26. April im 64. Jahre ihres Alters begraben worden. In der ersten Ehe hatte er 6 Söhne und 4 Töchter erzeugt, von denen aber nur 3 Söhne und 2 Töchter sich bey seinem Leben verheurathet haben, die übrigen aber ledig und vor ihm gestorben sind. Im Jahr 1589 kam er ins Stadtgericht, 1598 in innern Rath, und 1606 wurde er zu der Würde eines Burgermeisters erhoben, die er bis zum Jahre 1629 mit vielem Lobe getragen. In letzterm Jahre starb er den 21. April im 75 Jahre seines Alters, und wurde den 23. April feyerlich zur Erde bestattet.

Die von Herrn Burgermeister Heyder und seiner ersten Frau handelden Druckschriften sind:

1) Herrn Diak. M. Georg Hauffs Leichenpredigt auf Herrn Burgermeister Caspar Heyder, über Ef. 56, 2. nebst Lebenslauf, Oettingen bey Lucas Schultes, 5 Bogen in 4.

2) Herrn Diak. M. Georg Hauffs Leichenpredigt auf Frau Burgermeisterin Anna Heyderin, geb. Köningin über Röm. 8 - nebst dem Lebenslauf und einem Leichengedicht. Oettingen bey L. Schultes 1624 3 Bogen in 4.

2. Teil: Seite 182-187

Die Haider

Die Familie der Haider, (Heider, Heyder) war schon in dem funfzehnten Jahrundert allier berühmt gewesen. Die Haider waren nach Dolp S. 17, 1409 Mitstiffter der Kapelle zu St. Leonhard. Claus und Conz, die Haider, kamen um diese Zeit in den alten Steuerbüchern vor. Clausens Sohn war Jakob, der 3 Söhne zeugte 1) Thoma, 2) Hans, und 3) Claus.

1) Thomas, ein Fuhrmann, der von 1452 an steuerte, hinterließ einen Sohn gleichen Namens, dieser zeugte 4 Söhne a) Sixt, b) Melchior, c) Claus, d) Thomas, die alle Fuhrleute waren, und in ihren Enkeln und Urenkeln abstarben.

2) Hans I. mit dem Beynamen Schmid zeugte einen Sohn gleichen Namens, und einen Endres, beede Lohweber, nebst Jörg des Hansen 3. Sohn genannt Schmid, steuerte von 1519 bis 1549. Er zeugte 2 Söhne: 1) Hans II. und 2) Jörg der von 1543 an steuerte.

1) Hans II. der jung, genannt Schmid, zeugte 4 Söhne, A) Georg, B) Hans, C) Christoph und D) Hans, den Bader. Von diesen pflanzten die 2 ersten die Familie fort.

A) Georg Schmid genannt Heider, war seines Handwerks ein Lobweber, und kommt in den Handwerksbüchern der Lobweber 1543 zuerst vor. Er wurde 1547 Ladenmeister, 1551 Zeichen- und Zunftmeister. Nachdem sich sein Geschäfte sehr erweiterte, trieb er den Handel mit Lohenwaren, und er wurde ein Gewandscheider (Tuchhändler.) Im Jahre 1555 kam er in den Rath, und wurde 1569 Burgermeister, welche Bürde er bis an seinen Tod 1588 treulich verwaltete. S. Epitaph Nro. 32. Seine erste Frau war Anna, Conrad Lemp, Kupferschmidts Tochter, mit welcher er 5 Söhne und 3 Töchter zeugte. Sie starb 1562. Darauf heuratete er als Wittiber 1563 Ursula, geb. Ysenmännin von Schwäbischhall, des hiesigen H. Stadtschreiber Wendel Lutz von Ehingen nachgelassene Wittib, mit welcher er 2 Söhne zeugte. Sie starb nach einer Denkschrift an des Thurmbecken Stadl Lit. A. Nr. 170, welche oben an der Thüre angeheftet ist, als:

Ano 1581 den 10. Tag Juli verschid seligklich die erbar und Tugendsam Fraw Ursula des Ernssesten und weisen H. Burgermaisters Jörgen Haiders Elliche Hausfraw. D. s. G. G.

Seine Kinder erster Ehe mit Anna Lempin waren nach seinem heurathsbrief von 1563.

I. Georg, II. Hans, III. Kaspar, IV. Wolfgang, V. Philipp a) Maria Salome und b) Dorothea. Aus der zweyten Ehe mit Ursula Ysenmännin VI. Friedrich und VII. Daniel.

I. Georg, ein Lohweber und Korporal unter Löpfinger Thor, steuerte von 1591 bis 1640, wo seine Wittib von hier wegzog.

II. Hans, ein Gewandhändler starb 1594 in Portugall.

III. Kaspar, ein Apotheker, dessen Epitaph und Lebensbeschreibung im 1. Theil der Geschlechtshistorie unter S. 285-88 zu finden ist. Dieser hinterließ 3 lebende Söhne, als:

a) Emanuel, heurathete nach Lauingen.

b) Wilhelm, der sich ebenfalls in Lauingen verheurathete, und 1620 wieder mit seiner Frau Ursula hieher zog.

c) Philipp, ein Apotheker, zahlte 1620 für seine Braut Appolonia, Hans Mair des Raths zu Donauwörd Tochter, Burgergeld, starb 1630.

IV. Wolfgang, ein Gewandscheinder, heurathete 1589 Euphrosina, Silvester Fischer I. U. D. und Stadtschreibers in Bopfingen Tochter, 1595 Barbara, Hans Jörg, Seiler und des Raths Tochter, zeugte 9 Kinder, und stab 1619. Dessen bekannter Sohn war Wolfgang, der 1633 als Kastner im Ellwanger Haus gestorben ist. Zwey Töchter verheuratheten sich allhier.

V. Philipp, ein Apotheker. Diese heurathete 1608 Anna Reisnerin von Lauingen. Er zeugte einen Sohn Melchior, den Stadtkammerschreiber, dessen Sohn Johannes, Amtmann zu Haunsheim wurde 1666.

a) Maria Salome, heurathete 1597 Georg Mader, Helfer zu Wassertrüdingen.

VI. Friedrich, ein Tuchscheerer, heurathete 1604 Barbara Haffnerin, und zeugte nebst einigen Töchtern einen Sohn gleichen Namens und Handwerks. Starb 1636.

VII. Daniel, der letzte Sohn von Georg Heider, Burgermeister und Ursula Ysenmännin, ist der Stammvater der berühmten Heiderischen Familie in Oberschwaben, die in den Adelstand erhoben wurde. Er wurde geboren 1572 den 13. Sept. Da seine Eltern ihm in früher Jugend gestorben, wurde er von Wilhelm Friedrich Lutz von Ehingen Superintend. allhier, und von dem Gräfl. Oettingis. Kanzler Jakob Moser, seinem Schwager erzogen, die ihn nach Ulm ins Gymnasium schickten. Von da bezog er die Univerität Jena, und erhielt 1598 den Gradum als Doktor der Rechte. Im Jahr 1601 den 13. Sept. wurde er nach Lindau als Advokat berufen, und nachhero kays. Maj. und verschiedener Fürsten und Stände Rath und Syndikus in Lindau, wo er zugleich in Adelstand erhoben wurde. Im Jahr 1602 heurathete er Elisabetha, Valentin Funk von und zu Sestenau, Kriegszahlmeister in Ungarn, Reichspfennigmeister Adjunkt, auch Burgermeister zu Lindau Tochter, mit der er 6 Söhne und 5 Töchter zeugte. Unter den Söhnen waren berühmt.

1) Valentin, als Gesanter beym Westphälischen Fridensschluß von Linau.

2) Jakob, als Syndikus in Lindau

3) Daniel, Burgermeister daselbst, der mit Anna Eckoltin von Lindau eine Tochter hinteließ, die sich an H. Gottfried von Amman k. Rath und Stadtpfleger in Augsburg verheurathete, und demselben 9 Kinder gebar.

Daniel Heider, machte als großer Jurist, Historikus und Staatsmann seiner Vaterstadt große Ehre. Seine Familie florirt noch in Oberschwaben.

B) Hans, ein Lederer, Hans des II. Sohn und Bruder des Burgermeisters Georg Heiders, steuerete von 1557 bis 1612. Er heurathete Margretha, Hans Uißlingers Tochter, lebte mit derselben bis 1576 in der Ehe, und hinterließ 5 Söhne. a) Hans, b) Balthas, c) Tobias, d) Jobst und e) Endres, der 1585 nach Harburg zog. Von diesem pflanzte sich die Familie fort

b) Balthas, ein Lohweber, der von 1599 bis 1630 steuerte. Dessen Söhne waren Balthas, ein Pflästerer, und Hans, ein Lohweber. Von diesem stammen die noch lebenden Heider, als die Ziegler, Maurer und Weber, als Inwohner ab.

c) Tobias, ein Lohweber, steuerte von 1614 bis 1625. Er hinterließ einen Sohn Tobias, der von 1623 bis 1667 steuerte. Sein Sohn Johann Georg, ein Lohweber, heurathete 1678 Ursula, Peter Trübwetters Tochter, mit der er 3 Söhne zeugte, 1) Johann Kaspar, 2) Johann Georg. 3) Georg Matheus.

Von Johan Kaspar, dem Lohweber und Kramer, der 1715 Juditha, Balhas Hadlers Tochter, und 1727 Anna Christina Freymüllerin heurathete, stammen die nich lebenden Heider ab, als:

I. Balthas, ein Zeugschmied, geb. 1721. Er heurathete zuerst 1746 Anna Christina, Sophonias Brechenmacher, Lohwebers Tochter, mit der er einen Sohn und 2 Töchter zeugte. Zweytens 1758 Erberhardina, Johann Kaspar Schobers in Auskirch Tochter. Drittens 1762 Lucia Margretha, Johann Keonhard Joas, Webers Tochter.

Von erster Ehe leben a) Johannes, ein Zeugschmid, geb. 1747. Dieser heurathete 1778 Anna Barbara Steinmeirin hat 2 Söhne Benedikt Konstantin und Johann Kaspar.

Von zweyter Ehe b) Johann Philipp, ein Zeugschmid, geb. 1759, heurathete Maria Magdalena Lechnerin, lebt ohne Kinder.

II. Melchior, ein gelernter Pflästerer und Federhändler, geb. 1726, hatte zwey verheurathete Söhne. a) Jakob, ein Lohweber, der 1781 Anna Christina Hilsenbeckin heurathete.

b) Melchior, ein Lohweber, heurathete 1793 Anna Margretha Jörgin.

III. Kaspar, ein Lohweber, heurathete Margretha Paulin, und hinterließ 1771 als Federhändler einen Sohn Gottfried, einen Lohweber, der 1797 Anna Rosina Dorothea Memfartin heurathete und 2 Kinder hat.

IV. Friedrich, heurathete nach Großglogau. Ein Johann Gottfried Heider, Leinenweber Peters Sohn ist seit 1777 in Merseburg verheurathet. Die Beschreibung des Heiderischen Wappen ist im 1. Theil S. 285 zu finden.

An der Herrenemporkirche Nro. 32 ist ein Wappenschild von Georg Heider zu finden, mit der Umschrift:

Ano. Dmi. 1588 den 9. Augusti Starb Seeliglich der Ernuest und weiß H. Georg Haider Burgermeister alhie. Der Seele Got gnedig Sei.